Freitagabend, 12. Juni 2026. Bei Anthropic, der Firma hinter Claude, kommt ein Schreiben des US-Handelsministeriums an. Fable 5, das neue Spitzenmodell, ist da gerade mal drei Tage auf dem Markt. Die Anordnung: Kein ausländischer Staatsbürger darf es mehr nutzen, egal ob innerhalb oder außerhalb der USA. Anthropic kann gar nicht prüfen, welchen Pass jemand hat. Also wird Fable 5 noch am selben Abend abgeschaltet. Für alle Kunden.
Erst am 1. Juli war es wieder da, nach knapp drei Wochen. Seitdem reden alle darüber, ob die KI-Blase platzt. Ich glaube, für deinen Betrieb ist das gar nicht die Frage, auf die es ankommt.
- Wie groß ist die Blase eigentlich?
- Modelle verschwinden auch ohne Pleite
- Die sind doch zu groß zum Fallen
- Was du jetzt prüfen kannst
Wie groß ist die Blase eigentlich?
Ende September ist der Börsenprospekt von Anthropic an die Presse durchgesickert. Darin steht: Im Jahr 2025 lag der Umsatz bei 4,6 Milliarden Dollar. Allein für Rechenleistung und Infrastruktur gingen 7,33 Milliarden raus, der operative Verlust lag bei 8,06 Milliarden. Die Firma gibt also für die Rechner mehr aus, als überhaupt reinkommt.
Bei OpenAI sieht es nicht freundlicher aus. Laut Berichten waren im ersten Quartal 2026 rund 3,7 Milliarden Dollar weg, bei 5,7 Milliarden Umsatz. In drei Monaten. Und Google? Da bekommst du gar keine Zahl, weil Google nicht ausweist, was Gemini kostet. Dort bezahlt die Werbung die Rechnung.
Dazu kommen die fünf großen Konzerne, also Amazon, Google, Meta, Microsoft und Oracle. Die stecken dieses Jahr nach Schätzungen von Analysten zusammen irgendwas zwischen 660 und 725 Milliarden Dollar in KI-Rechenzentren. Das ist kein Tippfehler, das sind fast drei Viertel einer Billion. In einem Jahr.
Klingt nach Blase, oder? Sam Altman, der Chef von OpenAI, sieht das übrigens ähnlich. Im August 2025 wurde er gefragt, ob die Investoren gerade überdreht sind. Seine Antwort: „Meiner Meinung nach ja.“ Im selben Gespräch hat er KI das Wichtigste genannt, was seit sehr langer Zeit passiert ist.
Das widerspricht sich nur auf den ersten Blick. Im Jahr 2000 sind reihenweise Internetfirmen pleitegegangen. Die Glasfaser, die sie verlegt hatten, liegt heute noch im Boden, und wir telefonieren drüber. Wenn es knallt, verschwindet die KI also nicht. Was aber ziemlich sicher ist: Wer heute Milliarden verliert, verkauft dir seine Leistung unter dem, was sie ihn kostet. Ob und wann es knallt, weiß keiner, ich auch nicht. Dass die Investoren ihr Geld irgendwann zurückwollen, weiß dagegen jeder.
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Die Sperre im Juni ist der spektakuläre Fall. Begründet wurde sie mit einer Sicherheitslücke, über die man streiten kann, und Anthropic hat auch heftig widersprochen. Für dich als Unternehmer zählt etwas anderes: Ein einziges Schreiben aus Washington hat gereicht. Und mit „ausländischer Staatsbürger“ ist jeder Betrieb in Deutschland gemeint.
Es geht aber auch leiser. Am 13. Februar hat OpenAI GPT-4o aus ChatGPT genommen, das Modell, an das sich Millionen Nutzer gewöhnt hatten. Angekündigt wurde das zwei Wochen vorher.
Bleibt die Frage, wohin deine Daten eigentlich gehen. Viele denken: Wenn der Server in Europa steht, ist alles gut. Im Juni 2025 saß der Rechtschef von Microsoft Frankreich vor dem französischen Senat und sollte garantieren, dass französische Daten nie ohne Zustimmung an US-Behörden gehen. Er hat geantwortet, dass er das nicht garantieren kann. Der Grund ist der amerikanische Cloud Act. Danach kommt es nicht darauf an, wo der Server steht, sondern wem die Firma gehört.
Und dann noch etwas, das ich bei kleinen Betrieben ständig sehe: Wer mit dem privaten Abo von ChatGPT oder Claude arbeitet, dessen Chats dürfen standardmäßig zum Training genutzt werden, solange er es nicht abschaltet. In den Business-Tarifen ist es umgekehrt. Ich wette, du kennst mindestens einen Betrieb, in dem Kundendaten im Privat-Abo vom Chef landen.
Die sind doch zu groß zum Fallen
Diesen Einwand höre ich fast immer, und er ist berechtigt. Microsoft und Google gehen nicht pleite, und eine Pleite ist tatsächlich das unwahrscheinlichste Szenario.
Nur, schau dir die Fälle von oben noch mal an. Ein Modell wird per Brief gesperrt. Ein anderes verschwindet aus dem Angebot. Die Regeln fürs Training ändern sich. Und wenn die Investoren Rendite sehen wollen, steigen die Preise. Bei keinem dieser Fälle ist jemand pleitegegangen.
Ich habe diesen Fehler übrigens selbst gemacht, nur nicht mit KI. An einem Sonntagnachmittag wollte ich das Wissen meines eigenen Betriebs mal an einem Ort zusammentragen und dachte, das dauert eine Stunde. Am Ende lag alles in sechs verschiedenen Systemen, und in jedem wusste ich genau, wo was steht. Ich hielt mich für ordentlich. Bis mir aufgefallen ist, dass der gemeinsame Nenner dieser sechs Ablagen ich war.
Heute sehe ich in vielen Betrieben eine siebte Ablage dazukommen: das Chatfenster. Gespeicherte Anweisungen, Projekte, hochgeladene Preislisten, Vorlagen, das Gedächtnis der KI. Das alles liegt beim Anbieter. Der gemeinsame Nenner ist dann nicht mehr dein Kopf, sondern sein Server.
Aus dem Einkauf kennst du das. Seit den Lieferengpässen der letzten Jahre fragt sich jeder Einkäufer, was er macht, wenn sein einziger Lieferant ausfällt. Bei Schrauben würdest du dich nie auf einen einzigen verlassen. Bei dem Werkzeug, in dem das halbe Firmenwissen steckt, tun es gerade fast alle.
Fairerweise: Wenn du KI nur ab und zu für einen einzelnen Text nutzt und kein Ablauf daran hängt, betrifft dich das kaum. Dann kostet dich ein Wechsel nichts. Kritisch wird es erst, wenn das Wissen deines Betriebs im Werkzeug eines einzigen Anbieters liegt. Also, sag ich mal: Die KI darfst du mieten. Das Gedächtnis deines Betriebs nicht.
Was du jetzt prüfen kannst
Schreib dir auf, welche Abläufe bei dir über welches KI-Werkzeug laufen. Dann stell dir bei jedem die Frage: Was wäre, wenn das drei Wochen weg ist? Bei manchen wirst du sagen: dann schreibe ich die Mail eben selbst. Interessant sind die, bei denen die Antwort „dann steht das“ lautet.
Der schnellste Schritt kostet einen Nachmittag: Firmendaten raus aus dem Privat-Abo. Entweder in einen Business-Tarif, in dem nicht trainiert wird, oder gleich zu einem Modell, das in einem deutschen Rechenzentrum läuft.
Der eigentliche Hebel ist aber ein anderer. Leg dein Wissen so ab, dass das Modell austauschbar wird. Ich nenne diesen Ort ein Company Brain: Dein Firmenwissen liegt auf deinem eigenen Server, und die KI darf darauf zugreifen, egal welche. Die Rechenleistung mietest du dazu. Sperrt morgen ein Anbieter, wird teurer oder schaltet ein Modell ab, tauschst du das Modell aus, und dein Wissen bleibt, wo es ist. Wie gut die Modelle aus einem deutschen Rechenzentrum dabei abschneiden, habe ich in einem Test mit sechs Sprachmodellen ausprobiert.
Ich nutze selbst jeden Tag amerikanische Modelle, die sind in manchen Dingen richtig gut. Ich hänge nur nichts dran, was ich nicht wieder abhängen kann. Und das sage ich auch mal ganz offen: Das ist kein Wochenendprojekt. Dein Wissen an einen Ort zu bringen, kostet Zeit, und ein Modell aus Europa ist nicht bei jeder Aufgabe so stark wie das neueste aus Kalifornien.
Wenn du ansetzen willst, gibt es zwei Wege. Wir richten dir dein Company Brain fertig ein, oder du baust es in vier Wochen selbst im COMPANY BRAIN Builder.
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Wir richten dir dein Company Brain ein, dein Wissen bleibt bei dir
Termin buchen →Ob die Blase platzt, weiß keiner. Ob du ausweichen kannst, findest du an einem Nachmittag heraus.